Viele Frauen sprechen Scheidentrockenheit, Brennen, Schmerzen beim Geschlechtsverkehr oder wiederkehrende Blasenbeschwerden lange nicht an. Manche denken, das gehöre einfach zum Älterwerden. Andere schämen sich oder wissen nicht, ob solche Beschwerden mit den Wechseljahren zusammenhängen können.
Dabei sind diese Beschwerden häufig. Sie können die Lebensqualität, Sexualität, Beziehung und den Alltag deutlich belasten. Wichtig ist: Man muss sie nicht einfach aushalten.
Scheidentrockenheit und Blasenbeschwerden – auf einen Blick

ℹ️ Warum treten intime Beschwerden in den Wechseljahren auf?
In den Wechseljahren sinkt der Östrogenspiegel. Dadurch können die Schleimhäute im Intimbereich dünner, trockener und empfindlicher werden.
Das kann Beschwerden verursachen an:
- Scheide
- äusserem Intimbereich
- Harnröhre
- Blase
- Beckenboden
- Sexualfunktion
Diese Veränderungen werden häufig als urogenitale Beschwerden der Menopause beschrieben. Sie können auch nach der Menopause weiterbestehen oder mit der Zeit stärker werden.
✅ Welche Beschwerden können auftreten?
Mögliche Beschwerden sind:
- Scheidentrockenheit
- Brennen oder Reizung
- Juckreiz
- Wundheitsgefühl
- Schmerzen beim Geschlechtsverkehr
- kleine Einrisse oder Blutspuren nach Geschlechtsverkehr
- wiederkehrende Blasenentzündungen
- häufiger Harndrang
- Brennen beim Wasserlassen
- Druckgefühl im Unterbauch
- nachlassende sexuelle Lust
- Vermeidung von Sexualität wegen Schmerzen
Nicht jede Frau hat alle Beschwerden. Manchmal steht nur ein einzelnes Symptom im Vordergrund, zum Beispiel wiederkehrendes Brennen oder Schmerzen beim Geschlechtsverkehr.
✅ Bin ich damit allein?
Nein. Viele Frauen erleben solche Beschwerden in oder nach den Wechseljahren. Trotzdem werden sie oft nicht angesprochen.
Häufige Gedanken sind:
- „Das ist mir peinlich.“
- „Dafür bin ich wohl einfach zu alt.“
- „Ich will nicht, dass es nur auf Sexualität reduziert wird.“
- „Vielleicht ist es eine Infektion.“
- „Ich habe Angst, dass etwas Ernstes dahintersteckt.“
- „Ich weiss nicht, ob ich Hormone nehmen darf.“
Eine sachliche ärztliche Besprechung kann helfen, die Beschwerden einzuordnen und passende Behandlungsmöglichkeiten zu finden.
ℹ️ Ist es eine Infektion oder Wechseljahre?
Brennen, Juckreiz oder Schmerzen können durch hormonelle Schleimhautveränderungen entstehen. Es können aber auch andere Ursachen dahinterstecken.
Möglich sind zum Beispiel:
- Pilzinfektion
- bakterielle Infektion
- Harnwegsinfekt
- Hauterkrankungen
- Allergien oder Reizungen durch Pflegeprodukte
- Nebenwirkungen von Medikamenten
- Beckenbodenverspannung
- kleine Verletzungen oder Einrisse
- selten auch ernstere Haut- oder Gewebeveränderungen
Deshalb ist es wichtig, neu auftretende, starke, einseitige, blutende oder nicht abheilende Beschwerden nicht einfach selbst zu behandeln.
✅ Was Sie selbst versuchen können
Hilfreich können sein:
- milde, unparfümierte Pflegeprodukte
- keine aggressiven Waschlotionen im Intimbereich
- keine Scheidenspülungen
- Baumwollunterwäsche, wenn synthetische Stoffe reizen
- Gleitmittel beim Geschlechtsverkehr
- vaginale Befeuchtungsprodukte
- ausreichend Zeit, Ruhe und Kommunikation in der Sexualität
- Beckenbodenübungen oder Beckenbodenphysiotherapie bei Bedarf
- ausreichend trinken, falls medizinisch nichts dagegenspricht
- Blasenbeschwerden und Auslöser notieren
Wichtig ist: Pflegeprodukte, Gleitmittel und Befeuchter können helfen, ersetzen aber nicht immer eine gezielte Behandlung.
ℹ️ Lokale Östrogenbehandlung
Bei Scheidentrockenheit, Brennen, Schmerzen beim Geschlechtsverkehr oder wiederkehrenden Blasenbeschwerden kann eine lokale vaginale Östrogenbehandlung sinnvoll sein.
Sie wirkt vor allem im Intimbereich und ist nicht das Gleiche wie eine systemische Hormonersatztherapie für den ganzen Körper.
Lokale Präparate gibt es zum Beispiel als:
- Vaginalcreme
- Vaginaltablette
- Vaginalkapsel
- Vaginalring
Welche Form passt, hängt von Beschwerden, Anwendung im Alltag, Vorgeschichte und persönlichen Vorlieben ab.
✅ Ist lokale Östrogentherapie dasselbe wie HRT?
Nein. Lokale vaginale Östrogene wirken hauptsächlich an der Schleimhaut im Intimbereich. Sie werden meist in niedriger Dosierung eingesetzt.
Eine systemische Hormonersatztherapie, zum Beispiel Tabletten, Pflaster, Gel oder Spray, wirkt im ganzen Körper und wird eher bei Beschwerden wie Hitzewallungen, Nachtschweiss oder Schlafstörungen eingesetzt.
Manche Frauen brauchen nur eine lokale Behandlung. Andere brauchen eine Kombination aus lokaler und systemischer Therapie. Das sollte individuell besprochen werden.
⚠️ Was ist bei Brustkrebs oder Tamoxifen?
Frauen mit Brustkrebs in der Vorgeschichte oder aktueller antihormoneller Therapie sollten Beschwerden im Intimbereich unbedingt ärztlich besprechen.
Nicht hormonelle Möglichkeiten wie Befeuchter und Gleitmittel werden oft zuerst versucht. Wenn diese nicht ausreichen, kann in bestimmten Situationen auch eine niedrig dosierte lokale Östrogentherapie diskutiert werden. Diese Entscheidung sollte sorgfältig und gegebenenfalls zusammen mit der behandelnden Onkologie oder Gynäkologie erfolgen.
Wichtig ist: Nicht selbst experimentieren, sondern die Beschwerden offen ansprechen.
✅ Wiederkehrende Blasenbeschwerden
In und nach den Wechseljahren können Blasenbeschwerden häufiger werden. Manche Frauen berichten über:
- häufigen Harndrang
- Brennen beim Wasserlassen
- wiederkehrende Harnwegsinfekte
- Druckgefühl
- nächtliches Wasserlassen
- Unsicherheit, ob es wirklich ein Infekt ist
Nicht jedes Brennen ist automatisch eine bakterielle Blasenentzündung. Hormonelle Schleimhautveränderungen, Reizungen oder Beckenbodenprobleme können ähnliche Beschwerden machen.
Bei wiederkehrenden Beschwerden ist es sinnvoll, Urinbefunde, Symptome, Auslöser und mögliche Behandlungen strukturiert zu besprechen.
✅ Schmerzen beim Geschlechtsverkehr
Schmerzen beim Geschlechtsverkehr können viele Ursachen haben. In den Wechseljahren spielen Trockenheit und empfindlichere Schleimhäute häufig eine Rolle.
Hilfreich können sein:
- offene Kommunikation mit dem Partner oder der Partnerin
- Gleitmittel
- vaginale Befeuchtungsprodukte
- lokale Behandlung der Schleimhaut
- Beckenbodenphysiotherapie bei Verspannung
- Behandlung von Infektionen oder Hauterkrankungen
- Sexualberatung bei Bedarf
Wichtig ist: Schmerzen sollten nicht „durchgehalten“ werden. Wenn Sexualität mit Schmerz verbunden wird, kann sich zusätzlich Anspannung und Vermeidung entwickeln.
⚠️ Wann sollten Sie ärztliche Hilfe suchen?
Bitte lassen Sie Beschwerden ärztlich abklären, wenn:
- Scheidentrockenheit, Brennen oder Schmerzen den Alltag belasten
- Schmerzen beim Geschlechtsverkehr auftreten
- wiederkehrende Blasenentzündungen bestehen
- Brennen beim Wasserlassen immer wieder auftritt
- Blutungen nach Geschlechtsverkehr auftreten
- nach der Menopause eine Blutung auftritt
- Juckreiz, Hautveränderungen oder offene Stellen bestehen
- Beschwerden trotz Selbsthilfe nicht besser werden
- Sie Brustkrebs hatten oder Tamoxifen beziehungsweise andere antihormonelle Medikamente einnehmen
- Sie unsicher sind, ob lokale Östrogene für Sie geeignet sind
🚨 Rasch abklären lassen bei:
- Blutung nach der Menopause
- starken Unterbauchschmerzen
- Fieber mit Blasenbeschwerden
- Flankenschmerzen oder Verdacht auf Nierenbeckenentzündung
- sichtbarem Blut im Urin
- neuem Knoten, Geschwür oder nicht heilender Hautstelle im Intimbereich
- starken Schmerzen oder deutlicher Verschlechterung
Bei schweren akuten Beschwerden rufen Sie in der Schweiz den Sanitätsnotruf 144 oder wenden Sie sich an den ärztlichen Notfalldienst.
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⚠️ Wichtiger Hinweis
Diese Informationen dienen der allgemeinen Orientierung. Sie ersetzen keine persönliche ärztliche Untersuchung, gynäkologische Abklärung, Diagnose oder individuelle Behandlung.
