Infografik zu den Herbstimpfungen 2026: Orientierung zu Grippe-, Covid- und RSV-Impfung nach Alter und persönlichem Risiko.

Drei Impfungen im Herbst – brauche ich wirklich alle?

Der Herbst kommt, und plötzlich liegen wieder drei Namen auf dem Tisch: Grippe, Covid und RSV. Wer beim letzten Arztbesuch schon gegen mehrere andere Krankheiten geimpft wurde, fragt sich vielleicht: Muss das wirklich alles sein? Und wenn ja – gleich dreimal?

Die kurze Antwort lautet: Nein, nicht jede dieser Impfungen ist für jeden Menschen nötig. Aber je nach Alter, Vorerkrankungen und Lebenssituation können eine, zwei oder tatsächlich alle drei sinnvoll sein.

Entscheidend ist deshalb nicht, welche Impfung gerade in den Medien auftaucht. Entscheidend ist: Wie hoch ist Ihr persönliches Risiko für einen schweren Verlauf?

Das Wichtigste zuerst

  • Gesunde Erwachsene unter 65 Jahren brauchen in der Regel nicht automatisch alle drei Impfungen.
  • Ab 65 Jahren werden die Grippe- und die Covid-Impfung empfohlen.
  • Die RSV-Impfung wird allen Personen ab 75 Jahren empfohlen.
  • Zwischen 60 und 74 Jahren ist RSV vor allem bei bestimmten chronischen Erkrankungen, Immunschwäche oder Gebrechlichkeit relevant.
  • In der Schwangerschaft gelten eigene Empfehlungen – nicht nur zum Schutz der Mutter, sondern teilweise auch zum Schutz des Neugeborenen.
  • Grippe-, Covid- und RSV-Impfungen können grundsätzlich am gleichen Termin verabreicht werden. Ob das im Einzelfall zweckmässig ist, kann gemeinsam entschieden werden.
  • Der ideale Zeitraum liegt bei den meisten dieser Impfungen im Oktober und November.

„Ich bin unter 65 und eigentlich gesund“

Sie sind 38, gehen regelmässig joggen und haben keine chronische Erkrankung? Oder Sie sind 57, fühlen sich gesund und nehmen keine dauerhaften Medikamente?

Dann besteht nach den schweizerischen Empfehlungen normalerweise keine generelle Notwendigkeit, sich gegen alle drei Erkrankungen impfen zu lassen.

Die saisonale Grippeimpfung kann trotzdem eine persönliche Entscheidung sein – beispielsweise wenn Sie engen Kontakt zu besonders gefährdeten Menschen oder Säuglingen haben. Für gesunde Personen unter 65 Jahren wird eine Covid-Impfung dagegen nicht allgemein empfohlen. Auch eine RSV-Impfung ist in dieser Gruppe normalerweise nicht vorgesehen.

Dabei bedeutet „nicht allgemein empfohlen“ nicht, dass eine Impfung verboten oder grundsätzlich unsinnig wäre. Es bedeutet, dass der erwartete zusätzliche Nutzen bei einer gesunden Person deutlich kleiner ist als bei älteren oder vorerkrankten Menschen.

„Ich bin 65 oder älter“

Ab 65 verändert sich die Antwort.

Sowohl bei Influenza als auch bei Covid steigt das Risiko für einen schweren Verlauf mit zunehmendem Alter. Deshalb werden im Herbst 2026 grundsätzlich beide Impfungen empfohlen:

  • Grippeimpfung: idealerweise ab Mitte Oktober bis zum Beginn der Grippewelle.
  • Covid-Impfung: idealerweise zwischen Mitte Oktober und Dezember.

Die Covid-Impfung kann frühestens sechs Monate nach der letzten Covid-Impfung oder einer bekannten Infektion erfolgen.

Bei der Grippeimpfung gibt es noch eine Besonderheit: Ab 75 Jahren sowie ab 65 Jahren mit einem zusätzlichen Risikofaktor soll vorzugsweise ein Hochdosis-Grippeimpfstoff verwendet werden. Er löst eine stärkere Immunantwort aus und bietet älteren Menschen einen besseren Schutz als ein Standardimpfstoff.

„Und ab wann brauche ich RSV?“

RSV wird häufig für ein reines Kinderproblem gehalten. Bei Säuglingen kann das Virus tatsächlich schwere Bronchiolitiden verursachen. Es kann aber auch ältere und gesundheitlich vorbelastete Erwachsene schwer treffen.

Die schweizerische Empfehlung unterscheidet deshalb zwei Gruppen:

  • Ab 75 Jahren: eine einmalige RSV-Impfung wird grundsätzlich empfohlen.
  • Zwischen 60 und 74 Jahren: empfohlen bei erhöhtem Risiko für eine schwere RSV-Erkrankung.

Zu diesen Risikofaktoren gehören beispielsweise eine Immunschwäche, COPD oder andere chronische Lungenerkrankungen, Herzinsuffizienz oder koronare Herzkrankheit, Diabetes, Nieren-, Leber-, neurologische oder hämatologische Erkrankungen. Auch Gebrechlichkeit und das Leben in einer Langzeitpflegeeinrichtung spielen eine Rolle.

Die RSV-Impfung wird idealerweise zwischen Mitte Oktober und Mitte November verabreicht. Wie viele Jahre der Schutz anhält und wann später eine erneute Dosis nötig wird, ist derzeit noch nicht abschliessend geklärt.

Wichtig für die Planung: Die Grundversicherung übernimmt die RSV-Impfung für nicht schwangere Erwachsene derzeit nicht, auch wenn sie medizinisch empfohlen ist. Eine Zusatzversicherung kann je nach Vertrag einen Beitrag leisten.

„Ich habe Diabetes, eine Herz- oder Lungenerkrankung“

Dann ist nicht nur das Geburtsdatum entscheidend.

Chronische Herz-, Lungen-, Nieren- oder Lebererkrankungen, Diabetes und andere Grunderkrankungen können das Risiko von Komplikationen bei Atemwegsinfektionen erhöhen. Die Grippeimpfung kann deshalb auch deutlich vor dem 65. Geburtstag empfohlen sein.

Eine Covid-Impfung wird Personen ab 16 Jahren mit bestimmten Vorerkrankungen im Herbst und Winter empfohlen. Bei der RSV-Impfung beginnt die reguläre Risikogruppenempfehlung mit 60 Jahren. Unter 60 kann sie nur in besonderen Situationen mit sehr hohem Risiko erwogen werden; das kann ausserhalb der regulären Zulassung liegen und gehört in eine individuelle ärztliche Abklärung.

„Ich habe Bluthochdruck“ reicht dabei nicht immer als alleinige Entscheidungsgrundlage. Es kommt auf die genaue Erkrankung, ihren Schweregrad, zusätzliche Risiken und die persönliche Vorgeschichte an.

„Mein Immunsystem ist geschwächt“

Menschen mit schwerer Immunschwäche brauchen keine pauschale, sondern eine besonders sorgfältige Impfplanung.

Der Zeitpunkt kann von einer immunsuppressiven Therapie, einer Krebstherapie oder einer Transplantation abhängen. Manchmal ist die Immunantwort während bestimmter Behandlungen schwächer; manchmal sollte eine Impfung bewusst vor einem neuen Therapiezyklus erfolgen.

Hier sollte der Herbsttermin nicht einfach über ein allgemeines Onlineformular geplant werden. Sinnvoll ist eine Abstimmung zwischen Hausarztpraxis und dem behandelnden Fachteam.

„Ich bin schwanger – brauche ich alle drei?“

Auch hier haben die Impfungen unterschiedliche Ziele.

Die Grippeimpfung wird während der Schwangerschaft und bis vier Wochen nach der Geburt empfohlen. Eine Covid-Impfung wird Schwangeren ebenfalls im Herbst und Winter empfohlen; der genaue Zeitpunkt kann individuell festgelegt werden.

Bei RSV geht es vor allem um den Schutz des Neugeborenen. Wenn der errechnete Geburtstermin zwischen Anfang Oktober und Ende März liegt, kann eine RSV-Impfung der Mutter zwischen Schwangerschaftswoche 32+0 und 36+0 empfohlen werden. Die mütterlichen Antikörper werden über die Plazenta auf das Kind übertragen.

Als Alternative kann das Baby nach der Geburt einen langwirkenden monoklonalen Antikörper erhalten. Das ist streng genommen keine klassische Impfung des Kindes. Eltern sollen sich gemeinsam mit der betreuenden Fachperson für die passende Schutzstrategie entscheiden.

Die Kosten der empfohlenen maternalen RSV-Impfung werden unter den festgelegten Bedingungen von der Grundversicherung übernommen.

„Unser Baby kommt im Winter zur Welt“

Für Neugeborene und Säuglinge ist RSV besonders relevant. In der Schweiz stehen zwei Wege zur Verfügung:

  1. RSV-Impfung der Mutter in der späten Schwangerschaft, damit schützende Antikörper auf das Baby übergehen.
  2. Ein langwirkender monoklonaler Antikörper für das Kind nach der Geburt.

Es geht normalerweise nicht darum, beides routinemässig zu geben. Welche Variante passt, hängt unter anderem vom Geburtstermin, dem Zeitpunkt einer möglichen mütterlichen Impfung und besonderen Risiken des Kindes ab.

Können die Impfungen am gleichen Tag gegeben werden?

Grundsätzlich ja. Die Grippeimpfung kann gleichzeitig mit der Covid-Impfung erfolgen. Auch die RSV-Impfung kann gleichzeitig mit, vor oder nach einer Grippe- und/oder Covid-Impfung verabreicht werden.

Das spart Termine. Allerdings können nach mehreren Impfungen am selben Tag vorübergehend lokale Schmerzen, Müdigkeit, Kopfweh oder Fieber auftreten. Wer frühere Impfungen schlecht vertragen hat oder die Reaktionen zeitlich auseinanderhalten möchte, kann die Termine auch trennen. Ein vorgeschriebener Mindestabstand besteht zwischen diesen Impfungen grundsätzlich nicht.

Wann ist der beste Zeitpunkt?

Für die meisten Risikopersonen ist Oktober oder November ein guter Zeitraum:

  • Grippe: ab Mitte Oktober bis zum Beginn der Grippewelle.
  • Covid: Mitte Oktober bis Dezember, sofern seit der letzten Impfung oder bekannten Infektion mindestens sechs Monate vergangen sind.
  • RSV bei Erwachsenen: idealerweise Mitte Oktober bis Mitte November, möglichst vor Beginn der RSV-Welle.

Wer den idealen Zeitpunkt verpasst hat, ist nicht automatisch zu spät. Je nach epidemiologischer Situation kann eine spätere Impfung weiterhin sinnvoll sein.

Wer bezahlt die Impfungen?

Bei einer empfohlenen Grippe- oder Covid-Impfung hängt die Kostenübernahme von der jeweiligen Risikogruppe und den geltenden Vorgaben ab. Seit 2026 sind die in Artikel 12a KLV geregelten Impfungen und die dazugehörige Beratung von der Franchise befreit; ein Selbstbehalt kann weiterhin anfallen.

Für die empfohlene RSV-Impfung nicht schwangerer Erwachsener besteht aktuell keine Kostenübernahme durch die Grundversicherung. Die maternale RSV-Impfung wird dagegen unter den definierten Bedingungen übernommen.

Da sich Vergütung, Bezugswege und kantonale Abläufe ändern können, lohnt sich vor dem Termin eine kurze Abklärung bei Praxis, Apotheke oder Versicherung.

Die praktische Antwort aus der Hausarztpraxis

Wenn Sie unter 65 und gesund sind, lautet die Antwort meist nicht „alle drei“. Ab 65 stehen Grippe und Covid im Vordergrund. Ab 75 kommt RSV als dritte empfohlene Impfung hinzu. Zwischen 60 und 74 hängt RSV vor allem von Vorerkrankungen und Gebrechlichkeit ab.

Bringen Sie zum nächsten Termin Ihren Impfausweis und eine aktuelle Medikamentenliste mit. Dann lässt sich in wenigen Minuten klären:

  • Welche Impfung wird tatsächlich empfohlen?
  • Wann war Ihre letzte Covid-Impfung oder Infektion?
  • Ist ein Hochdosis-Grippeimpfstoff sinnvoll?
  • Gehören Sie zu einer RSV-Risikogruppe?
  • Welche Kosten werden übernommen?
  • Sollen die Impfungen gemeinsam oder getrennt erfolgen?

Nicht die grösstmögliche Zahl von Impfungen ist das Ziel, sondern der passende Schutz für Ihre persönliche Situation.

Dieser Beitrag vermittelt allgemeine medizinische Informationen und ersetzt keine individuelle Impfberatung. Empfehlungen können sich bei neuen epidemiologischen Daten oder behördlichen Anpassungen ändern.

Quellen


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