Infografik zum Unterschied zwischen oraler und transdermaler Hormontherapie mit Angaben zum beobachteten Thromboserisiko.

Hormontablette oder Pflaster: Warum die Form wichtiger sein kann als gedacht

Hitzewallungen, schlechter Schlaf, Stimmungsschwankungen oder trockene Schleimhäute können den Alltag in den Wechseljahren stark belasten. Eine menopausale Hormontherapie kann solche Beschwerden wirksam lindern. Gleichzeitig fragen viele Frauen: Erhöhe ich damit mein Risiko für eine Thrombose, einen Schlaganfall oder einen Herzinfarkt?

Eine im September 2026 im BMJ veröffentlichte grosse dänische Registerstudie liefert dazu neue Zahlen. Ihre wichtigste Botschaft: Nicht nur Wirkstoff und Dosis, sondern auch der Weg in den Körper scheint eine Rolle zu spielen.

Auf einen Blick

  • Orale Hormontherapie war mit mehr venösen Thromboembolien verbunden.
  • In absoluten Zahlen blieb das zusätzliche Risiko klein: ungefähr ein zusätzlicher Fall pro 1055 Frauen, die ein Jahr lang oral behandelt wurden.
  • Mehr Schlaganfälle und Herzinfarkte zeigten sich vor allem bei hoch dosiertem oralem Östradiol über längere Zeit.
  • Bei Pflaster, Gel oder Spray fand sich insgesamt keine erhöhte Thromboserate.
  • Die Studie zeigt Zusammenhänge, beweist aber keine Ursache.
  • Eine bestehende Behandlung sollte nicht eigenständig abgesetzt oder gewechselt werden.

Was wurde untersucht?

Die Forschenden werteten dänische Gesundheits- und Verschreibungsdaten von Frauen zwischen 50 und 69 Jahren aus. Berücksichtigt wurden erstmals aufgetretene venöse Thromboembolien – also tiefe Venenthrombosen oder Lungenembolien –, ischämische Schlaganfälle und Herzinfarkte.

Verglichen wurden Frauen mit und ohne aktuelle Hormontherapie. Zusätzlich wurde unterschieden, ob die Hormone als Tablette oder transdermal, also über Pflaster, Gel oder Spray, angewendet wurden. Auch Dosis und Behandlungsdauer flossen in die Analyse ein.

Was bedeuten die Zahlen wirklich?

Unter oraler Östrogentherapie lag die Rate venöser Thromboembolien relativ gesehen höher. Absolut entsprach dies ungefähr einem zusätzlichen Ereignis pro 1055 behandelten Frauen und Jahr. Für einen zusätzlichen ischämischen Schlaganfall lag die berechnete Zahl bei etwa 1642, für einen zusätzlichen Herzinfarkt bei etwa 3846 Frauen pro Behandlungsjahr.

Diese Zahlen sind wichtig, weil eine relative Risikoerhöhung schnell dramatisch klingt. Für die einzelne Frau bleibt das Ereignis selten – ihr persönliches Grundrisiko kann jedoch deutlich höher sein, etwa nach einer früheren Thrombose, bei starkem Übergewicht, Rauchen, längerer Immobilität oder familiärer Belastung.

Warum könnte die Tablette anders wirken als das Pflaster?

Oral aufgenommenes Östrogen gelangt zuerst über die Leber. Dort kann es die Bildung verschiedener Gerinnungsfaktoren beeinflussen. Über die Haut aufgenommenes Östradiol umgeht diesen sogenannten First-Pass-Effekt weitgehend.

Das macht ein Pflaster oder Gel nicht automatisch für jede Frau zur besten Lösung. Auch die Art des Gestagens, die Gebärmutter, Blutungsmuster, Hautverträglichkeit, Begleiterkrankungen, persönliche Vorlieben und die konkret verfügbaren Präparate spielen eine Rolle.

Die Schweizerische Gesellschaft für Gynäkologie und Geburtshilfe weist ebenfalls darauf hin, dass bei erhöhtem Grundrisiko transdermales Östradiol bevorzugt werden kann.

Muss ich meine Hormontablette jetzt absetzen?

Nein – jedenfalls nicht eigenständig. Die neue Studie ist kein Grund für einen abrupten Therapieabbruch. Sie ist aber ein guter Anlass, die Behandlung bei der nächsten Kontrolle gemeinsam zu überprüfen:

  • Welches Symptom soll behandelt werden?
  • Ist die Dosis noch nötig und angemessen?
  • Bestehen persönliche Thrombose- oder Herz-Kreislauf-Risiken?
  • Wäre eine Anwendung über die Haut sinnvoller?
  • Wird bei vorhandener Gebärmutter ein geeigneter Schutz der Gebärmutterschleimhaut berücksichtigt?

Eine Hormontherapie sollte so individuell wie möglich gewählt und regelmässig neu beurteilt werden.

Wann muss rasch gehandelt werden?

Eine einseitige, neu aufgetretene Schwellung oder Schmerzen im Bein können zu einer tiefen Venenthrombose passen. Plötzliche Atemnot, atemabhängige Brustschmerzen, Bluthusten, Kollaps, eine neue Lähmung oder Sprachstörung sind Notfallzeichen. In solchen Situationen sollte sofort medizinische Hilfe organisiert werden.

Praktische Schlussfolgerung

Die richtige Frage lautet nicht einfach: „Hormone – ja oder nein?“ Sinnvoller ist: Welche Beschwerden sollen behandelt werden, welches Präparat passt zur persönlichen Situation, in welcher Dosis und auf welchem Anwendungsweg? Genau diese differenzierte Entscheidung macht eine moderne Hormontherapie aus.

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Medizinischer Hinweis

Dieser Beitrag dient der allgemeinen Information und ersetzt keine individuelle ärztliche Beratung. Ändern oder beenden Sie eine verordnete Hormontherapie nicht ohne Rücksprache mit Ihrer behandelnden Ärztin oder Ihrem behandelnden Arzt.

Schlagwörter

Wechseljahre, Hormontherapie, Thrombose, Östrogen, Hormonpflaster, Frauengesundheit

Quellen


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