Die erste Tasse am Morgen gehört für viele einfach dazu. Dann wartet im Büro schon der Vollautomat, und nach dem Mittagessen passt vielleicht noch ein Espresso. Die meisten achten dabei auf Geschmack, Stärke und Sorte. Aber kaum jemand fragt: Durch welchen Filter ist dieser Kaffee eigentlich gelaufen?
Genau das kann einen Unterschied machen. Kaffee enthält natürliche Öle mit den Stoffen Cafestol und Kahweol. Vor allem Cafestol kann bei regelmässiger Aufnahme den LDL-Cholesterinwert erhöhen. Das bedeutet nicht, dass Sie Ihre Kaffeetasse wegstellen müssen. Es lohnt sich aber, die eigene Gewohnheit etwas genauer anzusehen.
Auf einen Blick
- Papierfilter halten einen grossen Teil der cholesterinwirksamen Kaffeeöle zurück.
- Gekochter Kaffee und French Press enthalten meist deutlich mehr Cafestol.
- Espresso wird in einer kleinen Portion getrunken, seine Werte schwanken jedoch stark.
- Auch Kaffee aus Vollautomaten ist nicht immer gleich zusammengesetzt.
- Besonders relevant ist die Frage bei mehreren Tassen täglich und erhöhtem LDL.
- Eine andere Zubereitung kann helfen, ersetzt aber keine notwendige Behandlung.
Was hat die morgendliche Tasse mit Cholesterin zu tun?
Schwarzer Kaffee enthält praktisch kein Cholesterin. Trotzdem kann er den Cholesterinwert beeinflussen. Verantwortlich sind Diterpene – natürliche Bestandteile der Kaffeeöle. Cafestol kann dazu führen, dass der LDL-Wert im Blut ansteigt. Kahweol scheint dabei eine kleinere zusätzliche Rolle zu spielen.
Der Effekt ist nicht nur in Beobachtungsstudien aufgefallen. Kontrollierte Untersuchungen mit diterpenreichem Kaffee zeigten messbare Veränderungen der Blutfette. Allerdings wurden dabei zum Teil Mengen getrunken, die deutlich über einer gelegentlichen Tasse lagen.
Eine French Press am Sonntagnachmittag ist deshalb etwas anderes als vier oder fünf grosse Tassen ungefilterter Kaffee an jedem Arbeitstag.
Warum die klassische Papierfiltermaschine eine gute Idee sein kann
Cafestol und Kahweol stecken vor allem in der öligen Fraktion des Kaffees und in sehr feinen Schwebeteilchen. Ein Papierfilter fängt einen grossen Teil davon auf. Im Getränk bleibt deshalb meist deutlich weniger zurück.
Das gilt beispielsweise für klassische Filtermaschinen und Pour-over-Methoden wie V60 oder Chemex. Auch viele Instantkaffees enthalten nur geringe Mengen dieser Diterpene.
Die alte Filtermaschine in der Küche wirkt neben einem glänzenden Vollautomaten vielleicht etwas unspektakulär. Aus Sicht des Cholesterins kann sie jedoch durchaus eine vernünftige Wahl sein.
French Press, gekochter und türkischer Kaffee
Bei der French Press trennt ein Metallsieb das Getränk vom Kaffeepulver. Die Kaffeeöle werden dabei wesentlich weniger zurückgehalten als durch Papier. Ähnlich ist es bei gekochtem, türkischem oder griechischem Kaffee, bei dem feine Bestandteile im Getränk bleiben können.
Wer solche Zubereitungen gelegentlich geniesst, muss daraus kein Gesundheitsproblem machen. Relevant kann es werden, wenn mehrere grosse Portionen täglich zusammenkommen – insbesondere bei bereits erhöhtem LDL-Cholesterin.
Und was ist mit Espresso und dem Automaten im Büro?
Espresso wird oft pauschal als ungefilterter Kaffee bezeichnet. Ganz so einfach ist es nicht. Er ist stark konzentriert, wird aber in einer kleinen Portion serviert. Zudem unterscheiden sich Bohnen, Mahlgrad, Druck, Wassermenge und Maschine. Entsprechend weit streuen die gemessenen Diterpenmengen.
Auch beim Vollautomaten gibt es keine einheitliche Antwort. Eine 2025 veröffentlichte Untersuchung analysierte Kaffee aus Maschinen an schwedischen Arbeitsplätzen. Viele Proben enthielten mehr Cafestol und Kahweol als Papierfilterkaffee, die Unterschiede zwischen den Maschinen waren jedoch gross. Selbst Proben aus derselben Maschine konnten voneinander abweichen.
Der Kaffee aus dem Büroautomaten ist daher nicht automatisch «schlecht». Wer täglich mehrere Becher trinkt und trotz anderer Massnahmen einen erhöhten LDL-Wert hat, kann die Zubereitungsart aber als möglichen kleinen Baustein mitbedenken.
Müssen Sie jetzt auf Ihren Lieblingskaffee verzichten?
Meistens nicht. Kaffee besteht aus vielen verschiedenen Inhaltsstoffen, und seine gesundheitlichen Wirkungen lassen sich nicht auf Cafestol allein reduzieren. Langzeitstudien bringen moderaten Kaffeekonsum häufig mit günstigen Ergebnissen in Verbindung. Solche Beobachtungen beweisen allerdings nicht, dass Kaffee selbst dafür verantwortlich ist.
Für den Alltag hilft eine nüchterne Einordnung:
- Trinken Sie nur gelegentlich Espresso oder French Press, ist die Zubereitung wahrscheinlich kein entscheidender Risikofaktor.
- Trinken Sie täglich mehrere grosse Tassen ohne Papierfilter, kann ein Wechsel sinnvoll sein.
- Bei erhöhtem LDL ist Papierfilterkaffee die vorsichtigere Routine.
- Milch, Rahm, Zucker und Sirup verändern die Bilanz zusätzlich – allerdings aus anderen Gründen.
Was ich in der Hausarztpraxis daraus ableiten würde
Wenn ein LDL-Wert erhöht ist, gibt es selten nur eine einzige Ursache. Familiäre Veranlagung, Ernährung, Bewegung, Gewicht, Rauchen, Stoffwechsel und Medikamente gehören gemeinsam betrachtet. Die Kaffeemaschine ist dabei kein Hauptverdächtiger, aber manchmal ein leicht veränderbares Detail.
Schauen Sie einmal hin: Wie wird Ihr täglicher Kaffee gefiltert? Wie gross ist die Portion? Bleibt es bei einer Tasse oder werden daraus im Laufe des Tages fünf?
Ein Papierfilter ist kein Wundermittel. Er kann aber eine einfache, alltagstaugliche Möglichkeit sein, die Aufnahme von Cafestol und Kahweol zu reduzieren – ohne den Kaffee ganz aufzugeben.
Praktische Schlussfolgerung
Wenn Sie mehrere Tassen täglich trinken und Ihr LDL erhöht ist, probieren Sie für einige Wochen oder Monate überwiegend Papierfilterkaffee. Besprechen Sie auffällige Cholesterinwerte trotzdem im Gesamtzusammenhang mit Ihrer Ärztin oder Ihrem Arzt und ändern Sie verordnete Medikamente nicht selbstständig.
Weitere passende Themen
- Cholesterin – einfach erklärt
- Herz-Kreislauf-Risiko – einfach erklärt
- Mediterrane Ernährung – einfach erklärt
- Cholesterinsenker / Statine – was Sie beachten sollten
Dieser Beitrag vermittelt allgemeine medizinische Informationen und ersetzt keine persönliche ärztliche Beratung, Untersuchung oder Behandlung.


Schreibe einen Kommentar